Meine Geschichte beginnt mit dem Wechsel von der Grundschule aufs Gymnasium. Ich besuchte ein Gymnasium im Kreis Recklinghausen und ging dort in eine bilinguale Klasse. Das bedeutete nicht nur, dass man uns in den Fächern Geschichte, Politik und Erdkunde auf Englisch unterrichtete, sondern auch großen Leistungsdruck, da nur die besten Schüler die Möglichkeit hatten diesen Zweig zu belegen. Wir schafften es nie als Klasse zusammenzuwachsen und so etwas wie einen Klassenverband auszubilden. Wir waren Einzelkämpfer, teils mächtig frustriert und dieser Frust suchte sich eben ein Ventil. Meist traf es dieselben Leute. Unter den Jungen gab es zwei die gelegentlich gedemütigt und geschlagen wurden. Einer von ihnen war sehr groß und dünn und eher zart besaitet. Der andere war kleiner, etwas rundlicher und hatte zudem noch einen recht ausgeprägten russischen Akzent. Auch bei uns Mädchen kristallisierten sich zwei Opfer heraus. Das eine Mädchen war sehr schüchtern, klug und trug eine ziemlich große Brille. Das andere Mädchen spielte lieber Fußball als shoppen zu gehen. Wie bereits erwähnt kam es also des Öfteren zu Ausgrenzung und Beleidigungen innerhalb unserer Klasse, bei denen nur selten jemand wagte einzugreifen. Ich war die Einzige, die sich traute dazwischen zu gehen, wenn es zu heftig wurde. Ich hatte nie ein Problem mit jemandem aus meiner Klasse und verstand mich sehr gut mit den beiden Mädchen, die gelegentlich ausgegrenzt wurden, aber so richtig passte es meinen Mitschülern auch nicht, dass ich ihnen “den Spaß verdarb” indem ich mich für die besagten “Opfer” einsetzte. Leistungstechnisch gehörte ich immer zu den besten der Stufe. Das Lernen machte mir großen Spaß und mein Ehrgeiz, mich noch zu steigern, war sehr groß. Als ich meinen 14. Geburtstag nicht mit allen Mädchen aus meiner Klasse feierte und mich damit dem Gruppenzwang widersetzte, der es uns vorschrieb stets alle einzuladen, änderte sich von heute auf morgen alles. Meine Freundinnen ließen mich sitzen, ignorierten mich und begannen mich zu beleidigen. Ich wurde zur Außenseiterin, ohne dass man mir einen Grund dafür nannte. Durch den gemeinsamen “Feind” wuchs die Klasse zusammen und der Kreis der Involvierten wurde dank älterer und jüngerer Geschwistern, Freunden und Kursen mit den Parallelklassen immer größer, bis schließlich die ganze Schule mitmachte. Dabei spielte auch das Internet eine nicht unwesentliche Rolle. besonders ICQ und Schüler VZ wurde dazu genutzt sich untereinander abzusprechen und neue Gerüchte über mich zu streuen. Auch richteten meine Mitschüler ein Forum ein, in dem fleißig über mich abgelästert wurde. Ich versuchte mich zu verstecken, nicht aufzufallen und mich irgendwie vor den Demütigungen zu schützen, doch das war nicht möglich. In dieser Zeit litt ich sehr, das Ausmaß meiner seelischen Verletzungen war für Außenstehende an meiner nun sehr unsicheren Körperhaltung und meinem veränderten Verhalten sichtbar, obwohl ich mir größte Mühe gab “normal” zu wirken. Ich sah keinen Sinn mehr in meinem Leben und plante meinen Suizid, den ich dank des Rückhalts meiner Familie nicht in die Tat umsetzte. Die Schule zu wechseln kam für mich nicht mehr in Frage, nachdem mir die Vertrauenslehrerin unserer Schule einredete, ich dürfe nicht gehen, da ich sonst einen Kampf aufgeben würde und meinen Mitschülern signalisierte, dass die gewonnen hätten. Erst nach einem tätlichen Angriff einer Mitschülerin, einem dreitägigen Krankenhausaufenthalt und einem schweren Schleudertrauma erlaubte ich mir selbst die Schule zu verlassen. Ich wechselte an ein Gymnasium weit entfernt von meinem Wohnort, um weitere Berührungspunkte mit meinen alten Klassenkameraden zu vermeiden und traf dort auf eine sehr verständnisvolle und nachsichtige Klasse, dank der ich verarbeiten konnte, was mir widerfahren ist. Das konnte ich natürlich nicht mehr allein. Meine Eltern finanzierten mir deshalb eine Kinderpsychologin und später eine Coachtrainerin, mit der ich über Jahre intensiv gearbeitet habe. Parallel dazu schrieb ich meine Erfahrungen auf und veröffentlichte 2010 mein Buch “Tatort Schule- Gewalt an Schulen”, um anderen Jugendlichen ein ähnliches Schicksal zu ersparen. Auch auf der zweiten Schule machte ich wieder schlechte Erfahrungen und wurde erneut gemobbt, diesmal mit dem Unterschied, dass das Motiv der Täterinnen klar war: Neid. Meine Mitschülerinnen neideten mir, die Öffentlichkeit, die mir aufgrund meiner schlimmen Erlebnisse zuteil wurde,traurig aber wahr, und ich habe bis heute nicht verstanden, wie man auf soetwas eifersüchtig sein kann, denn hätte man mir in der siebten Klasse die Wahl gelassen zu entscheiden, ob ich gemobbt werden wollte oder eine schöne Schulzeit verbringen möchte, hätte ich mich ganz bestimmt für letzteres entschieden. Über dieses Mobbing in der Oberstufe berichte ich in meinem neuen Werk “Tatort Schule-Licht ins Dunkel bringen.” Meine Schullaufbahn habe ich mit dem Abitur im Juni 2012 abgeschlossen und studieren mittlerweile im dritten Semester Psychologie. Natürlich werde ich mein Engagement gegen Mobbing auch zukünftig weiter fortsetzen! Zu meiner Person