Tipps für Außenstehende


Ja- ihr seid gemeint. Die, die ihr glaubt, dass euch das alles gar nichts angeht und ihr nichts machen könnt. Ein fataler Trugschluss, denn es liegt an euch das Mobbing zu beenden! Und ich erkläre euch jetzt wie:


1. Beobachtete eure Mitschüler

Ich weiß, wenn man selbst beliebt ist, merkt man vor lauter Spaß und Freude nicht immer sofort, wenn es jemandem in der Klasse nicht so gut geht. Aber versucht trotzdem eure Antennen etwas zu schärfen und beobachtet, ob sich jemand aus der Klasse im Verhalten verändert. Sieht er/sie sich zurück? Ist jemand auffällig aggressiv oder wirkt neuerdings sehr traurig? Wenn euch so etwas auffällt, dann beobachtete das weiter und wenn ihr euch das zutraut oder ihr vielleicht sogar einen guten Draht zu der Person habt, sprecht sie doch mal an:

 Hi du, du wirkst in letzter Zeit verändert auf mich. Gibt es etwas, das dich belastet?

Das muss natürlich nicht immer etwas mit Mobbing zu tun haben; vielleicht lief die auch letzte Mathearbeit schlecht, die Eltern trennen sich gerade oder das Haustier ist gestorben. Es gibt viele mögliche Gründe, die ihr niemals erfahren werdet, wenn ihr nicht hinschaut und nachfragt!


2. Sagt als Zeugen aus

Wenn Dinge in der Klasse passieren, die nicht ok sind, dann werden einige von euch sicherlich den Mut aufbringen sich einzumischen und dem Ganzen Einhalt zu gebieten- aber wieder andere auch nicht. Wer sich das nicht zutraut, kann aber immer noch bezeugen, dass dieser Verstoß stattgefunden hat. Wenn ihr euch das auch nicht traut, weil ihr befürchtet dadurch selbst ins Fadenkreuz zu geraten, dann geht doch unter einem Vorwand zu eurem Lehrer  sagt ihm das unter vier Augen mit der Bitte um Verschwiegenheit zu eurer eigenen Sicherheit oder aber tut das wenigstens anonym. Wichtig ist, dass ihr den betroffenen durch eure Aussage unterstützt, denn wenn wie immer „niemand etwas gesehen hat“, dann kommen die Täter in der Regel ja auch straffrei davon und können unbeirrt weiter mobben. Das kannst du nicht wollen, denn denk immer dran: Mobbing kann jeden treffen, und wenn du morgen der Nächste bist, möchtest du doch auch, das andere für dich aussagen und dir somit helfen oder?

Also führt auch ihr ein Mobbingtagebuch, in dem ihr notiert wann, was, wo passiert ist und wer das alles bezeugen kann, sammelt Beweise durch Screenshots oder Aufbewahren der kleinen Zettel, die dem Betroffenen zugeschoben werden oder ihr nutzt eure Handys mal sinnvoll und fotografiert das zerrissene Schulheft und die blauen Flecke am Schienbein.


3. Macht nicht mit

Es ist vielleicht im ersten Moment der einfachere Weg, aber ihr müsst dann auch in der Konsequenz mit der Schuld leben- wenn ihr das Menschenleben vor euch zerstört. Und ihr werdet es durch das Mobbing zerstören. Vielleicht nicht sofort, aber der Betroffene zerbricht- Stück für Stück und ganz elendig langsam.

Lasst euch nicht mit in diese Gruppendynamik mit reinziehen. „Sich raushalten“ ist aber keine Option, wenn ihr darunter versteht einfach wegzugucken. 

WEGGUCKEN IST MITMACHEN!

Ihr wollt helfen? Ok dann lasst den Betroffenen seine Pausen nicht einsam und als das perfekte Angriffsziel auf dem Schulhof oder der Toilette verbringen. Stellt euch doch dazu, bietet in der Klasse den freien Sitzplatz neben euch an und fragt den Betroffenen, ob er mit in eurem Team ist, wenn wieder mal Gruppenarbeit auf dem Plan steht. Wichtig dabei ist, dass ihr den Betroffenen fragt bzw. Diese Dinge anbietet! Wenn ihr lediglich bereit wäre mit dem Betroffenen zu arbeiten aber „er/sie ja halt nicht fragt“, dann hilft das wenig, denn der Mobbingbetroffene wird zu gehemmt sein, um zu fragen.


4. Achtet auf eure Kommunikation

Als ich mich damals bei meinem Direktor darüber beklagte, dass mich meine Mitschüler als Fotze, Hure, Nutte, Schlampe, Flittchen und Missgeburt bezeichneten, klärte mich dieser irritiert darüber auf, dass dieses Vokabular doch gewöhnliche Umgangssprache unter uns Jugendlichen sei. Dass das Unsinn ist, brauch ich dir wohl nicht zu erklären. Ich bin mir sicher, du hast kurz gestockt, als du die Worte gelesen hast und dir ist klar, dass du Ärger bekommst, wenn du jemanden aus deiner Klasse so nennst. Und das zu Recht. Die Deutsche Sprache bietet so viele schöne Ausdrucksmöglichkeiten, warum also greifen wir auf so hässlich Worte zurück? 

Wie viele Wörter fallen dir spontan ein um eine Frau zu beleidigen? Zähl sie ruhig mal für dich selbst auf. Eins davon ist Schlampe, richtig? Ich erlebe es, dass sich junge Mädchen- Freundinnen- so ansprechen: „Na Schlampi, wie gehts dir?“. Wieso sprecht ihr einander mit dem fünft Schlimmsten Wort an, das euch einfällt um eine Frau zu beleidigen?


5. Ich-statt Du-Botschaften

Ich werde dir jetzt keinen Vortrag über das Kommunikationsmodell von Schulz von Thun halten- keine Panik. Worum es mir hier geht, ist den Hobbypsychologen in dir abzustellen. Fakt ist: Wir können niemals wissen, was ein anderer Mensch denkt oder fühlt und warum er sich so verhält, wie er sich verhält. Deshalb macht es auch absolut keinen Sinn irgendwie etwas aus dem Verhalten anderer abzuleiten.

Und dann hat er sich einfach weggedreht! Er hasst mich!

- nein, vielleicht musste er auch rülpsen, weil er zuvor einen Liter Mineralwasser getrunken hat, oder jemand hat ihn gerufen und du hast es nicht gehört oder eine Biene ist auf seinem Rücken gelandet… 

Bleib daher lieber bei dir und mach dir Gedanken darüber was DU denkst und fühlst und versuche das in Worte zu fassen. Das ist oft nicht so leicht wie sich das anhört, aber Übung macht hier den Meister. 

Es verletzt mich, dass du dich wegdrehst. Ich habe dadurch das Gefühl, dass du wütend auf mich bist. Ich wünsche mir, dass du dich mir zuwendest und mich ansiehst, wenn wir miteinander reden.

© Sylvia Hamacher 2017