Hilfe & Tipps für Lehrer 1. Beobachten sie ihre Schüler Mobbing unter Schülern zu erkennen ist oft gar nicht so leicht, denn häufig findet es so subtil statt, dass es auf sie als Lehrer vielleicht sogar so wirkt, als versuchen die Schüler dem Betroffenen zu helfen. Wie sollen sie auch zum Beispiel sehen können, dass eine Schülerin, die die Betroffene herzlich umarmt, ihr gleichzeitig feste in den Rücken kneift? Um diese subtilen Hiebe erkennen zu können, sollten sie genau auf das Verhalten ihrer Schüler achten. Hat sich die Körperhaltung eines Schülers stark verändert? (geduckte Schutzhaltung) Ist ein Schüler plötzlich sehr zurückgezogen oder sehr hibbelig? Wo verbringt der Betroffenen seine Pausen? Fehlt der Betroffene auffällig oft im Unterricht? Sitzt er/ sie alleine? Wenn Gruppenarbeit ansteht, wer arbeitet dann bevorzugt mit wem? Wer bleibt übrig? 2. Interventionen Wenn sie einen von Mobbing betroffenen Schüler haben, dann schenken sie ihm/ ihr ein offenes Ohr. Sie müssen gar  nicht alles kommentieren oder auf alles eine Antwort haben, es reicht manchmal schon, wenn einem jemand überhaupt mal zuhört und einen mit seinem Problem ernst nimmt. Stellen sie den Schüler nicht in Frage und suchen sie die Schuld nicht bei dem Betroffenen, der da gerade bei ihnen Hilfe sucht. Streichen sie die Schuldfrage am besten ganz, das bringt sie überhaupt nicht weiter. Fragen sie den Schüler, was er/ sie sich wünscht und welches Vorgehen er/sie für sinnvoll hält. Machen sie nichts, was der Schüler nicht möchte, er/ sie wird ihnen sonst nachher die Schuld für alles geben, was passiert, nachdem sie gegen seinen Willen eine Maßnahme durchgeführt haben und dann ist das Vertrauen futsch. Machen sie niemals den Fehler das Mobbing offen vor der Klasse anzusprechen, denn das verhärtet nur die Fronten, schließlich will niemand gerne Täter oder Opfer sein und sich erst recht nicht anhören schuld an dem ganzen Schlamassel zu sein. Mit zunehmender Überforderung neigen viele Lehrer dazu zum Mittäter zu werden. Dass sie Mittäter sind erkennen sie dann daran, dass sie den Betroffenen als nervig/ unangenehm/ provokativ usw. erleben und ihm/ ihr damit indirekt vorwerfen, das Mobbing durch dieses Verhalten zu provozieren. Oft fallen dann negative beiläufige Bemerkungen z.B. wenn der Schüler/ die Schülerin fehlt (”Das ist ja nichts neues mehr.”). Halten sie sich mit solchen Bemerkungen zurück, denn sie schütten damit noch Öl ins Feuern und geben den Mobbern damit grünes Licht. Wenn sie sich hier wieder erkennen, dann sollten sie sich mal fragen, warum sie sich über das jeweilige Verhalten des Schülers so ärgern, und warum sie damit so ein massives Problem haben denn an dieser Stelle haben sie ein Problem mit dem Schüler, für das der Schüler gar nichts kann. Wenn sie also feststellen, dass sie mit der Situation überfordert sind, holen sie sich Hilfe. Informieren sie den Schulsozialarbeiter/ die Schulsozialarbeiter, den Schulpsychologen/ die Schulpsychologin oder den Vertrauenslehrer/ die Vertrauenslehrerin. Sprechen sie auch mit dem Direktor/ der Direktorin. Sie selbst sind in dem Bereich wahrscheinlich gar nicht ausgebildet und da erscheint es auch utopisch von ihnen zu verlangen das Mobbing ganz alleine aufzulösen, also werten sie den Akt des Sich-Hilfe-Holens nicht als ihr persönliches Versagen! 3. Präventive Maßnahmen Wichtig ist, dass sie ihren Schülern nicht die Möglichkeit geben alles selbst zu entscheiden. Ihre Schüler müssen lernen, dass sie sich ihre Mitschüler nicht aussuchen können, aber trotzdem mit ihnen zurechtkommen müssen. Teilen sie die Schüler bei Gruppenarbeiten ein, denn damit ersparen sie Außenseitern und Mobbingbetroffenen sich die Blöße zu geben von Gruppe zu Gruppe tingeln zu müssen und darum zu betteln mitarbeiten zu dürfen. Das kann man zum Beispiel spielerisch mit einem Quartettkartenspiel gestalten. Begleiten sie die Gruppenarbeiten dann auch, statt Zeitung zu lesen oder Klassenarbeiten zu korrigieren, dann bekommen sie auch mit, wer sich nur auf der Arbeit anderer ausruht und wer tatsächlich hart arbeitet, ansonsten wird die ganze Arbeit nämlich auf den Mobbingbetroffenen abgewälzt, der dann sicher anderes zu tun hat, als die Gruppe dafür bei ihnen als Lehrkraft anzuschwärzen und das stattdessen diese Gemeinheit still erduldet. Bitte teilen sie stets die Sitzordnung ein und wechseln sie diese häufiger. Dann macht es dann leider für sie schwieriger, da sie dann wirklich alle Namen kennen müssen, führt aber dazu dass sich die Schüler untereinander zu arrangieren lernen und sich vielleicht auch besser kennenlernen. So entstehen dann auch Freundschaften zwischen Schülern, die sich sonst vielleicht nie zusammengefunden hätten und das fördert natürlich die Klassengemeinschaft. In einem guten Klassenklima lernt es sich dann auch gleich viel besser, als in einer Klasse, in der jeder mit der Angst lebt das nächste Mobbingopfer zu sein. Achten sie auch im Sport darauf nicht wählen zu lassen. Teilen sie die Schüler stattdessen geschickt ein, z.B. über ein Sortierspiel, bei dem sich die Schüler nach einem bestimmten Kriterium aufstellen sollen und dafür auch belohnt werden, wenn sie es innerhalb einer gewissen Zeit schaffen. Der Sportunterricht ist oft voll von Demütigung und Vorführen einzelner Schüler. Achten sie darauf solche Situationen zu vermeiden und mit den Schülern darüber zu sprechen, wenn so etwas doch mal auftritt. Setzen sie es sich doch zum Ziel aus der zusammengewürfelten Ansammlung von Individuen eine funktionierende Einheit zu machen! Stellen sie zu Beginn des Schuljahres Klassenregeln auf und sanktionieren sie ein Nicht-Einhalten konsequent. Pflegen sie auch den Kontakt zur örtlichen Polizeidienststelle und planen sie gemeinsame Projekttage. Wenn dann mal ein Fall auftritt, bei dem die Rechte eines Schülers verletzt werden, dann haben sie einen kompetenten Ansprechpartner und können gemeinsam dagegen vorgehen! Greifen sie die Themen Respekt, Zivilcourage und Toleranz in jedem Fall im Unterricht auf und besprechen sie mit den Schülern wie man sich nicht verhält und wie stattdessen angemessenes Verhalten aussieht! Wichtig ist dabei nicht nur die Schüler über Phänomene wie (Cyber-)Mobbing und Rassismus aufzuklären, sondern auch die Eltern. Planen sie am besten Infoveranstaltungen und thematisieren sie Probleme der einzelnen Schüler auf jedem Elternabend, um gemeinsam nach einer friedlichen Lösung zu suchen. Am allerbesten wäre es, wenn sie sich in dem Bereich Mobbing fortbilden lassen, denn dann gehen sie etwas gefasster in eine solche Gruppendynamik und haben zumindest die Chance, das System zu durschauen und dagegen zu arbeiten. Das erfordert allerdings viel Zeit, ist sehr arbeitsintensiv und ist recht kostspielig, aber es lohnt sich!